Ein Passant mit Regenschirm., © Marcus Brandt/dpa/Symbolbild
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Heftiger Regen und Hochwassergefahr erwartet

30.05.2024

Dauerregen und starke Gewitter - Thüringen stellt sich auf ein extremes Wetterwochenende ein. In einigen Gegenden könnten bis zu 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen, sagte Cathleen Hickmann vom Deutschen Wetterdienst am Donnerstag auf Anfrage. Lokal seien sogar bis 140 Liter pro Quadratmeter möglich. Von den ergiebigen Regenfällen könnte in Thüringen einzig das Eichsfeld verschont bleiben. Erwartet wird ein Anschwellen fast aller Flüsse im Freistaat mit Überschwemmungsgefahr.

Talsperren schaffen Stauraum

Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz drohten vor allem in Mittel-, Süd- und Ostthüringen erhebliche Niederschläge ab der Nacht zum Samstag und anhaltend bis in den Montag hinein. Ein Einsatzstab wurde laut Landesamt gebildet, die Kommunen und Flussmeistereien seien informiert worden, an Talsperren werde zusätzlicher Stauraum geschaffen, um die Wassermassen aufnehmen zu können. Einige für das Wochenende geplante Veranstaltungen wurden vorsorglich abgesagt.

Dort, wo starke Gewitter auftreten bestehe die Gefahr von Blitzschlag, umstürzenden Bäumen, vereinzelt, rasche Überflutungen von Straßen und Unterführungen sowie Hagelschlag. Autofahrer müssten mit Aquaplaning rechnen, betonte Hickmann vom DWD. Hinzu käme, dass derzeit die Flüsse ohnehin schon gut gefüllt und die Böden gesättigt seien und nicht mehr viel Regen aufnehmen könnten.

Hochwasserinformationen rund um die Uhr

Das Landesamt erklärte, die Hochwassernachrichtenzentrale werde rund um die Uhr besetzt sein, «um das Hochwassergeschehen zu überwachen und die Öffentlichkeit und die zuständigen Stellen über die aktuelle Lage zu informieren und erforderlichenfalls zu alarmieren». Eine thüringenweite Warnung sei an die Katastrophenschutzbehörden bei den Landkreisen und kreisfreien Städten, an die Leitstellen und Gewässerunterhaltungsverbände herausgegeben worden. Die Flussmeistereien seien in Bereitschaft versetzt worden. Sie hätten begonnen, Gewässerbaustellen und wasserwirtschaftliche Anlagen des Freistaates zu sichern.

Umweltminister Bernhard Stengele (Grüne) erklärte, es gebe einen intensiven Austausch auch mit den Nachbarländern. «Die Füllstände in den Talsperren werden aktuell so gesteuert, dass über die üblichen Freiräume hinaus so weit möglich noch mehr Platz geschaffen wird.»

Auch die Organisatoren des Katholikentages erklärten, bei einer bedrohlichen Lage werde entsprechend reagiert. Gegebenenfalls müssten Open-Air-Veranstaltungen abgesagt oder verlegt werden. Die Teilnehmer würden über die Katholikentags-App informiert. Bei dem Gläubigentreffen zum Großteil unter freiem Himmel werden bis zum Sonntag rund 20.000 Besucher in der Landeshauptstadt erwartet.

Viele Freizeitvergnügen abgesagt

Vorsorglich wurden einige am Wochenende geplante Veranstaltungen abgesagt. Das gilt etwa für das Brunnenfest mit Festumzug in Bad Berka (Weimarer Land), ein geplantes Kinderfest in Gotha oder der Thüringer Sportvereinstag am Samstag im egapark in Erfurt, auf den sich mehr als 700 Mitwirkende vorbereitet hatten. Dazu waren laut Veranstalter Tausende Besucher erwartet worden. In Zella-Mehlis wurde die Eröffnung des neuen Bike-Areals am Samstag verschoben, der Landkreis Schmalkalden-Meiningen entschied sich ebenfalls aufgrund der aktuellen Unwetterwarnung, die Auftakt-Veranstaltung zum Stadtradeln am 1. Juni abzusagen. In Mühlhausen wurde das am Kindertag geplante Fahrradfest verschoben. Erfurt warnte davor, auf Friedhöfe zu gehen oder sich im Wald aufzuhalten.

Im Altenburger Land wurden die Feuerwehren in Alarmbereitschaft versetzt. Einige Gemeinden hätten bereits Vorsorge mit Sandsäcken getroffen, teilte das Landratsamt in Altenburg mit. Bewohner sollten die Wetterlage beobachten und sich bei Bedarf bei ihren Gemeindeverwaltungen melden. Falls erforderlich, werde auch der Katastrophenschutzstab einberufen, hieß es. «Ich hoffe, dass wir im Altenburger Land glimpflich davonkommen», erklärte Landrat Uwe Melzer.

Die DRK-Wasserwacht warnte vor Gefahren bei steigenden Pegelständen in Thüringen. Hohe Fließgeschwindigkeiten durch stark steigende Wassermengen könnten gerade für Kinder und Tiere zur tödlichen Falle werden, hieß es. Durchgeweichte und glitschige Uferböschungen erhöhten zudem die Abrutschgefahr. Überflutungsgebiete und Schwemmwiesen sollten nicht betreten werden.

Laut Autobahnpolizei kam es mit Einsetzen des Regens am Donnerstag immer wieder zu Verkehrsunfällen. Ein Auto habe sich auf der Autobahn 4 bei Sättelstädt in Fahrtrichtung Frankfurt/Main überschlagen. Das Fahrzeug landete auf dem Dach. Der Fahrer sei leicht verletzt worden. Bei Eisenach auf der A4 gerieten drei Fahrzeuge in einen Unfall durch Aquaplaning. Drei Menschen seinen leicht verletzt worden. Die Richtungsfahrbahn Frankfurt musste für die Rettungs- und Bergungsmaßnahmen eine Stunde voll gesperrt werden.

© dpa-infocom, dpa:240530-99-216342/4

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